fabrik.intro (Januar)
Liebe Freunde unseres Kulturzentrums,
erst einmal wünschen wir Ihnen einen angenehmen Rutsch ins Neue Jahr und viel Glück sowie gute Gesundheit für 2012 !
In Memoriam Christa Wolf zeigen wir zwei Filme, die nach ihrem Buch ("Der geteilte Himmel", DDR 1964 - 6. + 7. 1.) oder unter ihrer Mitarbeit entstanden sind ("Fräulein Schmetterling", DDR 1965 noch nicht ganz fertig gestellt und schon verboten und erst als rekonstruierte Montage 2005 in Berlin uraufgeführt.) Ein sehr selten zu sehender Film von dem der film-dienst schreibt: "Das vorliegende Fragment, eine Zusammenführung von Fiktionalem und Dokumentarischem, wurde anhand des überlieferten Materials zu einem spannenden, historisch wie ästhetisch reizvollen Werk rekonstruiert." (läuft am 3. und 4. 2. )
Und weitere cineastische Higlights sind die Filme von Jean-Luc Godard, der 80jährig seinen neuesten Film "film socialisme" (vom 2. bis 8. 2.) betitelt hat, obwohl er überhaupt nicht von Sozialismus handelt, sondern der Film ist ein dreiteiliges Filmessay, der uns durchs Mittelmeer und zu sechs historischen Plätzen führt: Ägypten, Palästina, Odessa, Griechenland, Neapel und Barcelona. Dieses Alles werden wir ergänzen durch seinen 1962 gedrehten Film "Die Geschichte der Nana S." (am 27. und 28. 1.), in dem er den radikalen Bruch mit dem klassischen Erzählkino vollzieht und mit "Die Verachtung" von 1963, ein Film über das Filmemachen und die Welt des Films, "ein faszinierendes Dokument unermüdlicher (Selbst-)Reflexion." (film-dienst) Wir zeigen den Film am 2. und 3. März.
Die "Reihe Künstlerporträts" widmen wir im Januar zwei Musikerinnen: Der Jazz-Sängerin Inge Brandenburg (1929 - 1999) in dem Film von Marc Boettcher "Sing! Inge, sing!" (13. und 14. 1.) und ab 26.1. der südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba (1932 - 2008) in dem Film von Mika Kaurismäki "Mama Africa".
Die Kunst steht auch im Mittelpunkt des neuen Spielfilms von Lech Majewski "Die Mühle & das Kreuz", sozusagen eine Wanderung durch das weltberühmte Breughel-Gemälde "Die Kreuzigung Christi" mit Charlotte Rampling in einer der Hauptrollen.
In der Reihe "film & kulinarisches" gehts noch mal italienisch zur Sache mit dem neuen Film von Gianni di Gregorio "Gianni und die Frauen" (vom 12. bis 19. 1.) über den "Cahiers du Cinema" schreibt: "Ein Film mit sonnigem Humor und italienischem Charme."
Einen interessanten Filmabend können wir auch versprechen mit dem Film "Kümmel baut" am 19. 1. : Der Produzent des Films Peter Roloff und der Regisseur Paul Hadwiger sind zum Gespräch im Kino.
Last but not least noch der Hinweis: Unsere neue Lesereihe ist gut angelaufen und so lesen im Januar (am 7. und 21. 1. jeweils um 15.30 Uhr) Martin Seidel und Dagmar Ammarell aus dem Buch von Golo Mann "Erinnerungen und Gedanken - Eine Jugend in Deutschland".
Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung!
Ihr fabrik.team



kino 1

KIKUJIROS SOMMER
Japan 1998, Farbe, 121 Min., dt. Fassung, Regie: Takeshi Kitano
Ein achtjähriger Halbwaise aus Tokio wird auf der Suche nach seiner Mutter von einem Bekannten seiner Großmutter begleitet. Während der Reise bahnt sich zwischen dem stillen, traurigen Kind und dem aggressiven Grobian langsam eine Freundschaft an. Eine von Melancholie und Poesie, aber auch von unbändiger Lust an kindlichen Späßen getragene Hommage an den Slapstick-Stummfilm und ein unaufdringliches Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit. (läuft vom 5. bis 11. 1. jeweils um 18 Uhr)

DIE HAUT, IN DER ICH WOHNE
Spanien 2011, Farbe, 121 Min., dt. Fassung, Regie: Pedro Almodóvar
Eine bildhübsche Frau ist die einzige Patientin in der spanischen Schönheitsklinik, wo sie ihr Chirurg eifersüchtig bewacht. Ihre durch zahllose Operationen perfektionierte Haut ist dabei Schutz wie Gefängnis. Die um groteske Einsprengsel und Figuren ergänzte Adaption eines Kriminalromans, den Pedro Almodóvar zu einem souverän verschachtelten Rachethriller erweitert und diesen mit einem hohen Trash-Anteil versieht. Eine kühl inszenierte, vielfach gebrochene Reflexion über Rache und Kreativität, Liebe und sexuelle Identität. (läuft vom 5. - 11. 1. jew. um 20.15 Uhr)

film & kulinarisches
GIANNI UND DIE FRAUEN
Italien 2011, Farbe, 89 Min., dt. Fassung, Regie: Gianni di Gregorio
Darsteller: Gianni Gregorio, Valeria De Franciscis u.a.
Ein gutmütiger Rentner Anfang 60 kümmert sich hingebungsvoll um seine Familie und die Hunde in der Nachbarschaft. Er erkennt, dass alle seine gleichaltrigen Bekannten eine Geliebte haben und er von attraktiven Frauen umgeben ist. Es dämmert ihm, dass ihm etwas Wesentliches entgeht. Nach "Festmahl im August" zaubert Gianni Di Gregorio abermals eine ausgelassen humorvolle Komödie über Lebenslust und Liebesdurst auf die Leinwand. Eingebettet in die beeindruckende Schönheit Roms gelingt ihm die erfrischend selbstironische und mit charmantem Witz erzählte Geschichte eines zweiten Frühlings. (läuft vom 12. bis 18. 1. jeweils um 18 Uhr)

EINE DUNKLE BEGIERDE
Kanada/BRD/GB/Schweiz 2011, Farbe, 100 Min. dt. Fassung
Regie: David Cronenberg
Darsteller: Michael Fassbender, Keira Knightley, Viggo Mortensen u.a.
Auf einem Bühnenstück und auf einem Roman von John Kerr beruhender, spannender Spielfilm über die fachliche und persönliche Beziehung von Sigmund Freud, C. G. Jung und Sabina Spielrein, dreier Pioniere der Psychoanalyse. Carl ist Leiter einer psychiatrischen Klinik, verheiratet und werdender Vater. Doch dann wird die Russin Sabina wegen Hysterie in die Klinik eingeliefert, und die beiden beginnen eine Affäre, die gegen jegliches professionelle Reglement verstößt. Der Film wird zum hintergründigen Porträt eines faszinierenden intellektuellen und persönlichen Austauschs, der das Menschenbild seiner Zeit und gesellschaftliche Normen in Frage stellt. (läuft vom 12. bis 18. 1. jeweils um 20.15 Uhr)

SUBMARINE
GB/USA 2010, Farbe, 97 Min., dt. Fassung, Regie: Richard Ayoacle, Darsteller: Craig Roberts, Yasmin Raige u.a.
Ein pubertierender Teenager in einem walisischen Küstenort begibt sich auf "Tiefseeforschung" in Sachen Selbstfindung und würde auch gerne dem spärlichen Liebesleben seiner Eltern auf die Sprünge helfen. Was nicht so leicht ist, da Mama mit einem New-Age-Guru anbandelt und Papa in Schwermut versinkt. Eine Komödie pechschwarz und mit bitterbösem Humor. (läuft vom 19. bis 25. 1. jeweils um 18 Uhr)

film & gespräch
KÜMMEL BAUT
BRD 2011, Farbe, 95 Min., Regie: Paul Hadwiger, Produktion: Peter Roloff
Fünf Jahre Leben für ein Shopping Center. Fünf Jahre mit Bauherren und Anwohnern. Fünf Jahre zwischen Deutschland und Polen. Fünf Jahre bis zur "NEUEN WELT". "Der deutsche Bauunternehmer Hermann Kümmel baut in einer der ärmsten Regionen Ostpolens ein modernes Shopping Center. Der Film lässt Macher, Zustimmer und Gegner zu Wort kommen und macht daraus eine 'Fallstudie' über Kapitalismus-Träume und ihre Konfrontation mit der Wirklichkeit, die durch die offensiv eingesetzte Musik komödiantische Töne bekommt, ansonsten aber nüchtern-lakonisch an ihr Sujet herangeht." (film-dienst), (läuft am 19. 1. um 20.15 Uhr mit anschl. Gespräch mit dem Regisseur und dem Produzenten und am 20. und 21. 1. um 20 Uhr)

DIE MÜHLE & DAS KREUZ
Schweden/Polen 2011, Farbe, 95 Min., Regie: Lech Majewski, Darsteller: Rutger Hauer, Michael York, Charlotte Rampling
Dieser Spielfilm ist eine intelligente und betörend schöne Adaption des weltberühmten Brueghel-Gemäldes "Die Kreuztragung Christi", der es im buchstäblichen Sinne gelingt, das Bild zum Leben zu erwecken und uns seine komplexe Bildsprache und versteckte Bedeutungen zu enthüllen. Von den großartigen Hauptdarstellern getragen, wirkt jede einzelne Szene mit seiner detailgenauen Ausstattung und kunstvollen Komposition aus Licht und Farbe wie ein weiteres von Brueghel geschaffenes Gemälde. "Eine inspirierende und verführerische Meditation über Geschichte, Religion und Kunst." ("The New York Times") "Zugleich reflektiert der ebenso eigenwillige wie höchst faszinierende Film die Rolle des Künstlers als Beobachter und Kommentator des Weltgeschehens." (film-dienst) (läuft vom 20. bis 25. 1. jeweils um 20.15 Uhr)

Reihe Künstlerporträts
MAMA AFRICA
Finnland/Deutschland 2011, Farbe, 89 Min. Regie: Mika Kaurismäki
Dokumentarfilm über die südafrikanische Sängerin Miriam Makeba (1932 - 2008), die aufgrund ihres Engagements gegen Kolonialismus und Rassendiskriminierung zum Symbol des Widerstands und zur Botschafterin der panafrikanischen Idee wurde. Sie war die erste afrikanische Musikerin, die zum internationalen Star avancierte. Sie hat Musiker auf der ganzen Welt inspiriert und ein internationales Publikum begeistert. Zu ihren musikalischen Partnern gehörten Nina Simone, Dizzie Gillespie und Harry Belafonte. Als sie 1968 den Black-Panther-Aktivisten Stokely Carmichael heiratete, geriet sie ins Fadenkreuz des FBI und wurde persona non grata in den USA. Der Lebensweg einer außergewöhnlichen Künstlerin in einer ergreifenden Hommage. (läuft vom 26. 1. bis 1. 2. jeweils um 18 Uhr)

NUR FÜR PERSONAL!
Frankreich, Farbe, 107 Min., dt. Fassung , Regie: Philippe Le Guay
Darsteller: Fabrice Luchini, Sandrine Kiberlain u.a.
"Ein großbürgerlicher Pariser Börsenmakler blüht auf, als er die spanischen Dienstmädchen näher kennen lernt, die die oberste Etage seins großen Stadthauses bewohnen. Zu seinem eingefahrenen beruflichen wie familiären Alltag stellen die Herzlichkeit und Lebensfreude der Spanierinnen einen verlockenden Kontrast dar. Als er sich in eine der Frauen verliebt, ist die Verwirrung vorprogrammiert. Eine mit sozialen und kulturellen Gegensätzen spielende Komödie mit charmanten, temperamentvollen Darstellern." (film-dienst) (läuft vom 26. 1. bis 1. 2. jew. um 20.15 Uhr)

Kleine Reihe Jean-Luc Godard
FILM SOCIALISME
Schweiz/Frankreich 2010, 102 Min.,
Regie: Jean-Luc Godard, Darsteller: Catherine Tanvier, Chrstian Sinniger und viele andere
"Dreiteiliges multilinguales Filmessay, das mit einer assoziativen Bilderflut und den Kapiteln "Things such as" (eine Schifffahrt durchs Mittelmeer), "Quo Vadis Europa" (zwei Kinder setzen die Reise über Land fort und suchen Erklärungen) und "Nos Humanités" (sechs historische Plätze in Ägypten, Palästina, Odessa, Griechenland, Neapel und Barcelona) ein anspielungsreiches Netz aus Chiffren, Bedeutungen und Querverweisen aufspannt und eine überbordende Vielfalt an hochinteressanten Lesarten erlaubt."(film-dienst)
Die prophetischen Qualitäten Godards sind frappierend, sein Film wirkt wie für die aktuelle Krise Europas gemacht. (läuft vom 2. bis 8. 2. jew. um 18 Uhr)

DIE REISE DES
PERSONALMANAGERS
Israel/BRD/Frankreich 2010,
Farbe, 103 Min.
Regie: Eran Riklis
Darsteller: Mark Ivanier, Guri Alfi u.a.
Nachdem eine Mitarbeiterin einer Bäckerei in Israel bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist und niemand bemerkt hat, dass sie nicht mehr zur Arbeit erschienen ist, droht der Firma ein Skandal. Der israelische Regisseur Eran Riklis macht aus dieser Story eine scharfsinnig-pointierte Gesellschaftsparabel, die sich den Widersinnigkeiten des Nahost-Konflikts widmet. (läuft vom 2. bis 7. 2. jeweils um 20.15 Uhr)


kino 2

In memoriam Christa Wolf
DER GETEILTE HIMMEL
DDR 1964, s/w, 114 Min.
Regie: Konrad Wolf nach dem gleichnamigen Roman von Christa Wolf
Darsteller: Eberhard Esche, Renate Blume, Hilmar Thate u.a.
Die Liebesgeschichte zweier junger Menschen aus Halle scheitert an der Zweiteilung Deutschlands. Ein inhaltlich und stilistisch außergewöhnlicher DEFA-Film. Es geht um die unterschiedlichen Entwicklungen der Menschen und um das unterschiedliche gesellschaftliche Bewusstsein in beiden deutschen Staaten. (läuft am 6. und 7. 1. jeweils um 20 Uhr)

Künstlerporträt/Filmwunsch
SING! INGE, SING!
Der zerbrochene Traum
der Inge Brandenburg
BRD 2011, Farbe, 118 Min.
Regie: Marc Boettcher
"Dokumentarfilm über die Jazz-Sängerin Inge Brandenburg (1929-1999), der das Leben der Künstlerin nachzeichnet, die zunächst zu einer vielversprechenden Karriere ansetzte, dann aber daran scheiterte, dass sich ihrem Talent in Deutschland kaum Raum zur Entfaltung bot. Eine detail- und materialreiche Dokumentation, die über die Biografie Brandenburgs hinaus ein vielsagendes Porträt der Nachkriegsgesellschaft zeichnet. - Sehenswert ab 14." (film-dienst) (läuft am 13. und 14. 1. jeweils um 20 Uhr)

Kleine Reihe Jean-Luc Godard/Klassiker der Filmkunst
DIE GESCHICHTE DER NANA S.
Frankreich 1962, s/w, 79 Min., OmU
Regie: Jean-Luc Godard
Darsteller: Anna Karina u.a.
Eine junge Frau wird Prostituierte, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen kann und findet bei einem Streit unter Zuhältern den Tod. Der durch Zwischentitel in zwölf Kapiteln gegliederte Film ist Godards erster Versuch, die bislang übliche Film-Erzählung durch einen Film-Essay zu ersetzen. Indem Godard sozusagen Brechts Theorie des epischen Theaters auf den Film anwendet, vollzieht er den bis dahin radikalsten Bruch mit dem klassischen Erzählkino. (Der Film ist gut als Vorbereitung auf Godards neuesten Film: "Film socialisme", den er nun 50 Jahre später gedreht hat und absolut nichts mit Sozialismus zu tun hat - und bei uns ab dem 2.2. läuft) (läuft am 27. und 28. 1. jeweils um 20 Uhr)

In memoriam Christa Wolf
FRÄULEIN SCHMETTERLING
DDR 1965, s/w, 118 Min.
Regie: Kurt Barthel
Drehbuch: Christa Wolf, Gerhard Wolf, Kurt Barthel
Darsteller: Melania Jakubisková, Christa Heiser u.a.
Die  Geschichte einer 18jährigen Frau und ihrer kleinen Schwester, die nach dem Verlust des geliebten Vaters der staatlichen Obhut anheim fallen. Die Geschichte zweier junger Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben und ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen wollten, konnte in der DDR nicht hingenommen werden - sie fiel 1965 dem Verdikt des 11. Plenums des ZK der SED zum Opfer. Das vorliegende Fragment, eine Zusammenführung von Fiktionlem und Dokumentarischem, wurde anhand des überlieferten Materials zu einem spannenden, historisch wie ästhetisch reizvollen Werk rekonstruiert. Sehr selten gezeigt, präsentieren wir es aus Anlass des Todes von Christa Wolf. (läuft am 3. und 4. 2. jeweils um 20 Uhr)