fabrik.intro (Februar)
Liebe Freunde unseres Kulturzentrums,
Vieles, was Sie im Februar-Programm bei uns cineastisch erleben können, haben wir schon im Januar beschrieben: Stichworte sind "Christa Wolf", "Jean-Luc Godard", "Reihe Künstlerporträts". Hinzu gekommen ist eine Auswahl von drei Filmen als Hommage an Michel Piccoli, der 80jährig seinen neuesten Film abgedreht hat: "Habemus Papam" von Nanni Moretti und 60jährig in "Die schöne Querulantin" von Jacques Rivette (17. u. 18.2.) und 30jährig in "Die Verachtung" von Jean-Luc Godard zu sehen sein wird (2. und 3. 3.).
Zwei Filmgespräche mit den Regisseurinnen erwarten Sie im Februar: Am 8. 2. kommt Petra Seeger zu uns ins Kino und stellt ihren Film "Auf der Suche nach dem Gedächtnis - Der Hirnforscher Eric Kandel" vor, und am 24. 2. erwarten wir Annekatrin Hendel mit ihrem Film "Vaterlandsverräter" über den einstigen DDR-Arbeiterdichter und IM Paul Gatzik.
In unserer Reihe "film & kulinarisches" wird Sie "Soul Kitchen" von Fathi Akin multikulturell einstimmen auf ein entsprechendes Menü in unserem Restaurant. Eine Disco gleich zu Beginn des Monats (4. 2.), ein Konzert (25. 2.) und eine Reihe von Lesungen (am 4. und 18. 2. sowie am 2. und 3. 3.) ergänzen das Angebot.
Und last but not least: Die Landeszentrale für Politische Bildung wird ein Buch des polnischen Autors Remigiusz Rzepczak vorstellen: "Gestohlener Glaube, Gestohlene Hoffnung" mit Fotos von Andrzej Lazowski. Das Buch beinhaltet Erinnerungen von ehemaligen Zwangsarbeitern während des II. Weltkriegs, die jetzt in der deutsch-polnischen Grenzregion leben.
Wir wünschen also nachdenkliche, besinnliche aber auch vergnügliche Stunden in unserem Kulturzentrum!
Ihr fabrik.team



kino 1

Kleine Reihe Jean-Luc Godard
FILM SOCIALISME
Schweiz/Frankreich 2010, 102 Min.
Regie: Jean-Luc Godard
Darsteller: Catherine Tanvier, Chrstian Sinniger und viele andere
"Dreiteiliges multilinguales Filmessay, das mit einer assoziativen Bilderflut und den Kapiteln "Things such as" (eine Schifffahrt durchs Mittelmeer), "Quo Vadis Europa" (zwei Kinder setzen die Reise über Land fort und suchen Erklärungen) und "Nos Humanités" (sechs historische Plätze in Ägypten, Palästina, Odessa, Griechenland, Neapel und Barcelona) ein anspielungsreiches Netz aus Chiffren, Bedeutungen und Querverweisen aufspannt und eine überbordende Vielfalt an hochinteressanten Lesarten erlaubt. - Sehenswert." (film- dienst) "Die prophetischen Qualitäten Godards sind frappierend, sein Film wirkt wie für die aktuelle Krise Europas gemacht." (epdFilm) (läuft vom 2. bis
8. 2. jeweils um 18 Uhr)

DIE REISE DES
PERSONALMANAGERS
Israel/BRD/Frankreich 2010, Farbe, 103 Min., Regie: Eran Riklis
Darsteller: Mark Ivanier, Guri Alfi u.a.
Nachdem eine Mitarbeiterin einer Bäckerei in Israel bei einem Anschlag ums Leben gekommen ist und niemand bemerkt hat, dass sie nicht mehr zur Arbeit erschienen ist, droht der Firma ein Skandal. Der israelische Regisseur Eran Riklis macht aus dieser Story eine scharfsinnig-pointierte Gesellschaftsparabel, die sich den Widersinnigkeiten des Nahost-Konflikts widmet. Auch in diesem Film findet er zu der ihm eigenen treffenden Bildhaftigkeit, die von der Überwindung von inneren und äußeren Schranken erzählt und auch von der Suche nach Identität in einer globalisierten Welt. Skurril, komisch und herzerwärmend zeigt der große Geschichtenerzähler Eran Riklis ("Die syrische Braut" und "Lemon Tree" - beide im fabrik.kino gelaufen) wie aus einer kleinen, unliebsamen Aufgabe eine große, menschliche Mission wird. (läuft vom 2. bis 7. 2. jeweils um 20.15 Uhr)

film & gespräch
AUF DER SUCHE NACH DEM GEDÄCHTNIS - DER HIRNFORSCHER ERIC KANDEL
BRD 2008, 95 Min., OmU
Regie: Petra Seeger
Dokumentarfilm über den Hirnforscher Eric Kandel und seine mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Arbeiten zur Wirkungsweise des Gedächtnisses. Regisseurin Petra Seeger verwebt kunstvoll Eric Kandels Suche nach den eigenen Wurzeln in Wien und New York mit liebevoll inszenierten Wissenschaftsfakten zu einem lebendigen Portrait, das den faszinierenden Zusammenhang zwischen Eric Kandels Biografie und Forschung freilegt. Der Film weckt die Neugierde am Leben und am Lernen. Ein Film über das spannende Rätsel des Gehirns.
(läuft nur am 8. 2. um 20.15 Uhr mit anschließendem Filmgespräch. Die Regisseurin ist zu Gast!)

Reihe Künstlerporträts
WADER WECKER VATERLAND
BRD 2001, Farbe, 95 Min., Publikumspreis München 2011
Regie: Matthias Leitner, Rudi Gaul
Im Sommer 2010 tourten Konstantin Wecker und Hannes Wader gemeinsam durch Deutschland - eine Sensation, die über viele Jahre nicht für möglich gehalten wurde. Zwei der wichtigsten westdeutschen Liedermacher, beide politisch und mit bewegten Lebensläufen, in denen sich trotz ihrer scheinbar so unterschiedlichen Persönlichkeiten ein Stück bundesdeutscher Zeitgeschichte widerspiegelt. (läuft vom 9. bis 15. 2. jeweils um 18 Uhr)

Michel Piccoli - 80 Jahre alt
HABEMUS PAPAM -
EIN PAPST BÜXT AUS
Italien/Frankreich 2011, Farbe
104 Min., Regie: Nanni Moretti
Darsteller: Michel Piccoli, Jerzy Stuhr, Nanni Moretti u.a.
Die Wahl des Papstes steht an, doch der Kandidat, auf den die Entscheidung der Kardinäle fällt, wird von tiefen Selbstzweifeln geplagt. Er entflieht seiner Aufgabe und mischt sich in den Straßen Roms unters Volk. Der Film nimmt das höchste Amt der katholischen Kirche als Folie, um mit augenzwinkerndem Humor von einem Menschen zu erzählen, der angesichts seiner Berufung von Angst geplagt wird und erst Kraft findet, als er in der Gemeinschaft einfacher Leute aufgeht. Ein berührender und zärtlicher, nachdenklicher und zugleich unwiderstehlich komischer Film - ein Sensationserfolg in Italien und Frankreich! Preisgekrönt für Bester Film, Beste Regie, Beste Kamera, Bestes Drehbuch, Bestes Setdesign und Beste Kostüme. (läuft vom 9. bis 15. 2. jeweils um 20.15 Uhr)

film & kulinarisches
SOUL KITCHEN
BRD 2009, Farbe, 100 Min.
Regie: Fathi Akin
Darsteller: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birop Ünel u.a.
Ein griechischstämmiger Hamburger gerät in einen Strudel verrückter Ereignisse, als sich sein bescheidenes Restaurant zum Szenetreff mausert. Die Umtriebe seines spielsüchtigen Bruders, eines Finanzhais sowie amouröse Verwicklungen dämpfen den Erfolg. Eine Heimatkomödie um die Suche nach Geborgenheit in einer sich rasant verändernden urbanen Welt, in der es weniger um einen Ort als um die Verwurzelung in einer Gemeinschaft und in einem Lebensgefühl geht. Von Fatih Akin wird das als großes, buntes, swingendes Durcheinander voller Temperamentausbrüche inszeniert. (läuft vom 16. bis 22. 2. jeweils um 18 Uhr)

SARAHS SCHLÜSSEL
Frankreich 2010, Farbe, 103 Min.
Regie: Gilles Paquet-Brenner nach einem Bestseller von Tatiana de Rosnay
Darsteller: Kristin Scott Thomas u.a.
Eine Journalistin stößt auf die Geschichte eines jüdischen Mädchens, das im Paris des Jahres 1942 seinen kleinen Bruder in einem Wandschrank einschloss, um ihm die drohende Deportation zu ersparen, die den Rest der Familie in die Vernichtung führte. ... Eine intime und berührende, dabei nie rührselige Studie des Umgangs mit einer schuldverstrickten Vergangenheit." (film-dienst) "Leidenschaftlich, bewegend und voller Wahrheit" nannte Le Figaro den preisgekrönten Film. (läuft vom 16. bis 22. 2. jew. um 20.15 Uhr)

MELANCHOLIA
BRD, Dänemark, Schweden, Frankreich, Italien 2011, Farbe, 130 Min., dt. Fassung, Regie: Lars von Trier
Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland u.a.
Justin und Michael feiern ihre Hochzeit mit einem rauschenden Fest auf dem Landsitz von Schwester und Schwager der Braut. Währenddessen nähert sich der riesige Planet Melancholia immer weiter bedrohlich der Erde ... Ein wunderschöner Film über das Ende der Welt. Der seit Jahren für seinen Mut und seine Risikobereitschaft gefeierte Regisseur legt mit "Melancholia" erneut ein Meisterwerk vor, mit dem er ganz neue Wege beschreitet und sein Publikum abermals überrascht. "Ein gewaltiges Stück Kino! Ein suggestiv eindrückliches Erlebnis!" (Die Zeit) (läuft vom 23. bis 29. 2. jeweils um 18 Uhr)

HUHN MIT PFLAUMEN
Frankreich/BRD/Belgien 2011, Farbe, 91 Min. Regie: Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud ("Persepolis")
"Nachdem seine Ehefrau sein geliebtes Instrument zerbrochen hat, beschließt ein iranischer Geigen-Virtuose zu sterben. Hinter dem Verlust an Lebenswillen steht freilich mehr, ist doch eine zerbrochene Liebe der Grund für seine Verzweiflung. Herb-süß entwickelt der Film in surrealistischen Wendungen eine Geschichte von Verlust und verschmähter Liebe. Dabei verwebt er auf mehreren Zeitebenen die Schicksale der Figuren zu einem märchenhaft anmutenden Erzählteppich, der reizvoll Melancholie mit Ironie und Humor verbindet." (film-dienst) (läuft vom 23. bis 29. 2. jeweils um 20.15 Uhr)

Reihe Künstlerporträts
MICHEL PETRUCCIANI -
LEBEN GEGEN DIE ZEIT
BRD/Italien/Frankreich 2011, Farbe, 99 Min., Regie: Michael Radford
Kleiner Mann, ganz groß: Michel Petrucciani, 1962 in Paris geboren und 1999 in New York gestorben, gilt als einer der größten Jazzpianisten. Michael Radford porträtiert ihn in seinem Dokumentarfilm als Lebemann und Energiebündel." (läuft vom 1. bis 7. 3. jeweils um 18 Uhr)

DER GOTT DES GEMETZELS
Frankreich/BRD/Polen/Spanien 2011, Farbe, 80 Min., Regie: Roman Polanski
Darsteller: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reailly
"Hauen und Stechen im bürgerlichen Kammerspiel: Polanskis Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks von Yasmina Reza bereitet mit prächtiger Besetzung das Unbehagen der Kultur auf. ... Der Film ist ein böser, vergnüglicher, kaum subtiler und durch und durch bürgerlicher Spaß. Nicht mehr, aber auch nicht weniger." (epdFilm) "Absolut empfehlenswert - zumal es nur um ein verbales Gemetzel geht." (Horst Conradt) (läuft vom 1. bis 7. 3. jeweils um 20.15 Uhr)



kino 2

In memoriam Christa Wolf
FRÄULEIN SCHMETTERLING
DDR 1965, s/w, 118 Min., Regie: Kurt Barthel, Drehbuch: Christa Wolf, Gerhard Wolf, Kurt Barthel, Darsteller: Melania Jakubisková, Christa Heiser u.a.
Die Geschichte einer 18jährigen Frau und ihrer kleinen Schwester, die nach dem Verlust des geliebten Vaters der staatlichen Obhut anheim fallen. Die Geschichte zweier junger Menschen, die sich nicht vorschreiben lassen, wie sie zu leben haben und ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen wollten, konnte in der DDR nicht hingenommen werden - sie fiel 1965 dem Verdikt des 11. Plenums des ZK der SED zum Opfer. Das vorliegende Fragment, eine Zusammenführung von Fiktionlem und Dokumentarischem, wurde anhand des überlieferten Materials zu einem spannenden, historisch wie ästhetisch reizvollen Werk rekonstruiert. (läuft am
3. und 4. 2. jeweils um 20 Uhr)

In memoriam Christa Wolf
ZEITSCHLEIFEN -
Im Dialog mit Christa Wolf
DDR 1990, Farbe, 101 Min., Regie: Karlheinz Mund und Daniela Dahn
"Ein außergewöhnlicher Film, in dem die prominenteste und gleichzeitig umstrittenste deutschsprachige Schriftstellerin in einem Exklusiv-Interview Auskunft gibt über ihre Motive, Irrtümer, Hoffnungen und Ängste. In diesem gleichzeitig sehr persönlichen Gespräch mit der zur nächsten Generation gehörenden Autorin Daniela Dahn geht es u.a. darum, wie und warum Christa Wolf in der DDR gelebt und gearbeitet hat, angefeindet und verehrt zugleich." (Goethe-Institut Stockholm) (läuft am 10. und 11. 2. jeweils um 20 Uhr)

Michel Piccoli - 60 Jahre alt
DIE SCHÖNE QUERULANTIN - DIVERTIMENTO
Frankreich 1990, Farbe, 126 Min., dt. Fassung, Regie: Jacques Rivette, Darsteller: Michel Piccoli, Emmanuelle Beart, Jane Birkin
In Cannes mit dem Grand Prix ausgezeichnet, erzählt der bis dato schönste Film des Nouvelle-Vague-Mitbegründers Jacques Rivette von einem diabolisch-fesselnden Spiel um Kunst und Körper, Liebe und Leidenschaft. Ein ehemals erfolgreicher Maler, der in einem großen Landhaus im sonnendurchfluteten Süden Frankreichs mit seinem bevorzugten Modell lebt, durchläuft eine existenzielle Schaffenskrise, bis ihm ein junger Kollege, der ihn bewundert, die eigene Geliebte als Modell anbietet ... (läuft am 17. und 18. 2. jeweils um 20 Uhr)

film & gespräch
VATERLANDSVERRÄTER
BRD 2011, Farbe, 97 Min.
Regie: Annekatrin Hendel
Porträt des einstigen DDR-Arbeiterdichters und "informellen Mitarbeiters" der Stasi, Paul Gatzik, der sich immer noch der sozialistischen Utopie verpflichtet fühlt und von der überfälligen Revolution träumt. Er bespitzelte als IM "Peter" jahrelang Freunde wie Heiner Müller oder Steffie Spira. "Scheiß Westfragen" will er nicht hören, aber Regisseurin Annekatrin Hendel kommt ihm trotzdem ganz nah. "Die Geschichte eines komplizierten Menschen in komplizierten Zeiten, zärtlich und tragisch, melancholisch, komisch, bitter. Der bislang beste filmische Gegenentwurf zu 'Das Leben der Anderen'." (Berliner Zeitung) (läuft am 24. und 25. 2. um 20 Uhr - am 24. 2. ist die Regisseurin zum Filmgespräch im Kino)

Michel Piccoli - 30 Jahre alt
DIE VERACHTUNG - LE MÉPRIS
Frankreich/Italien 1963, 95 Min., OmU
Regie: Jean-Luc Godard
Darsteller:  Michel Piccoli, Brigitte Bardot, Fritz Lang u.a.
Der Film ist eines der wichtigsten frühen Werke Godards. Die Ehe eines Drehbuchautors zerbricht bei den Arbeiten zu einem Film über die Irrfahrten des Odysseus, weil seine Frau sich sicher ist, daß er sie an den Produzenten abtreten will. Ein berühmter Film, der seinen inszenatorischen Reichtum in einer Vielzahl von Zitaten und Anspielungen, Dopplungen und Brechungen offenbart und damit zu einem faszinierenden Dokument unermüdlicher (Selbst-)Reflexion wird.
(läuft am 2. und 3. 3. jeweils um 20 Uhr)