Soirée zur Theaterproduktion “Ein Winter unterm Tisch"
Der Schuster Dragomir floh aus den Bürgerkriegen auf dem Balkan; er ist ein
Fremder in Paris. Wenn schon kein Dach, so hat er für einen Winter doch
wenigstens einen Tisch über dem Kopf gefunden: Bei Florence, der
Übersetzerin mit schönen Beinen und wenig Geld. Diese
Überlebensgemeinschaft ist für beide die reinste Selbstverständlichkeit,
erregt jedoch bei Florences Freunden großes Misstrauen. Mit einer Intrige
soll das schöne Märchen von der Nächstenliebe zerstört werden.
Der Autor Roland Topor (1938-1997), Sohn polnisch-jüdischer Emigranten,
lebte als vielseitiger Künstler in Paris. Er schrieb Romane, sein
bekanntester ist "Der Mieter", den Roman Polanski verfilmte, schuf
hinreißende Karikaturen, Zeichentrick- und Animationsfilme, für die er u.a.
in Cannes ausgezeichnet wurde, sowie zahlreiche Bühnenbilder und Plakate.
Als Soiree zur neuesten Produktion haben Theater und fabrik.kino in
freundlicher Kooperation den Film DER MIETER von Roman Polanski ausgesucht,
um auf die thematische Verknüpfung des Widerstreits der Kulturen mit den
Völkerwanderungen unserer Tage aufmerksam zu machen. Regisseur Walter
Meierjohann, Ausstatter Juan Leon und Dramaturg Matthias Wolf werden vor
dem Film eine kurze Einführung in ihr Vorhaben geben.
(Premiere des Theaterstücks ist am 19.5. im Schauspielhaus Neubrandenburg.)

Der Mieter

Frankreich 1976, Farbe, 125 Min.
Regie: Roman Polanski, nach dem Roman “Le locataire chimérique" von Roland Topor
D: Roman Polanski, Isabelle Adjani, Melvyn Douglas, Jo van Fleet u.a.
Ein schüchterner kleiner Angestellter zieht in eine Pariser Altbauwohnung,
deren Vormieterin sich aus dem Fenster gestürzt hat. Die Erzählungen der
Nachbarn, das Klima der Isolation und Verlassenheit, der Mangel an eigenem
Durchsetzungsvermögen und Selbstvertrauen stürzen den Mieter in eine
Identitätskrise. Von Wahnvorstellungen heimgesucht, wiederholt er in
Frauenkleidern den Todessprung.
Polanski beschreibt einen psychischen Verfallsprozeß als halluzinatorische
Wirklichkeitsentfremdung und entwickelt den irrationalen Schrecken aus
banalen Alltagsdetails. Ein grandios inszenierter Film mit der
überzeugenden Darstellung des Mieters durch Polanski selbst.
Soirée gemeinsam mit dem Landestheater am 10.5. um 20.00 Uhr