MAGNOLIA
USA 1999, Farbe, 189 Min.
Regie: Paul Thomas Anderson
Darsteller: Julianne Moore, William H. Macy, Tom Cruise
"Wir haben mit der Vergangenheit abgeschlossen, aber die Vergangenheit
nicht mit uns." Dieser Satz, der in "Magnolia" gleich dreimal
fällt, zeigt, worum es Paul Thomas Anderson (Boogie Nights)
geht: Um nichts Geringeres, als das Ganze. Vom ersten Bild an
führt der Regisseur seine Zuschauer hinein in archaische Schicksalsmomente,
zufällige absurde Tode, wie der des Froschmanns, der auf einem
Baumwipfel stirbt. Jeder für sich ergeben sie keinen Sinn, zusammen
aber eine These: Die Macht des Zufalls hat tiefere Bedeutung.
Die Personen im Film sind Archetypen der US-Gesellschaft: ein
bibelfester, im Herzen scrupulöser Cop, der ´Gutes´ tun will,
ein Quizmaster, der an Krebs erkrankt ist, dessen kokainsüchtige,
depressive Tochter, sein Quizkandidat, ein hochbegabtes, schüchternes
Kind, der Fernsehmagnat, der, ebenfalls krebskrank, bereits im
Sterben liegt, dessen Sohn, der eine sexbessene Selbsthilfegruppe
für frauengeschädigte Männer leitet. Durchaus ironisch schildert
Anderson dieses Panoptikum aus dem amerikanischen (Alp)Traum,
aber er denunziert seine Figuren nie. Ihnen allen gemeinsam ist
ihr tiefes Unglück an der eigenen Existenz und die Suche nach
einem Ausweg aus dem Leiden. Jeder von ihnen ist vereinsamt und
isoliert, sie begegnen sich nur per Zufall und abends vor dem
Fernseher. In seiner epischen Struktur erinnert Magnolia vor allem
an Robert Altmans "Short cuts", mit dem er seinen dunklen, sarkastischen
Blick auf das zeitgenössische Amerika teilt."
(Rüdiger Suchsland, FR)
(Wegen Überlänge Eintritt: 9 und 11 DM
Mo und Di 8 DM)
(läuft vom 15. bis 21.6. jeweils um 19 Uhr)